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Die Meinung von Joachim Reichel

Im Allgemeinen gar nichts.
Im Speziellen ? In diesem Jahr schon, finde ich.

Robert Plant und Alison Krauss erhielten fünf der Preise für ihr gemeinsames Album ‘Raising Sand’.
Neben der Klasse der beiden Künstler und der beteiligten Musiker, wurde dieser Erfolg auch durch den Produzenten T-Bone Burnett möglich, der bereit war Neues zu probieren.


Robert Plant | Alison Krauss | Raising Sand

Die Fokussierung auf das Ziel bei gleichzeitigem Lösen von tradierten Vorgehensweisen hat ein Album geschaffen, das Viele für nicht möglich gehalten haben; der Rocker und die Bluegrass Lady – das kann ja nichts werden. Ist es dann aber doch !

Wie bei nahezu allen anderen Gegebenheiten im Leben werden die Preise nicht von den Bedenkenträgern gewonnen.
Das gilt für die Musikindustrie, die ja in den letzten Jahren eher durch Jammern über Raubkopierer als durch Innovationen aufgefallen ist, genau wie für die IT-Industrie, die – unabhängig von den Erfordernissen, so überraschend gerne den Trends folgt.
Wie sagte Larry Ellison, der extrovertierte Oracle Chef, unlängst: “Die IT-Industrie ist noch modebewusster als die Frauen”.

Doch zurück zur Analogie.
T-Bone Burnett hat also das Wagnis übernommen die beiden unterschiedlichen Künstler zusammenzuführen. Wobei gesagt werden muss, dass die Beiden ihre Zusammenarbeit schon beschlossen hatten bevor der Produzent ins Spiel kam. Es war also nicht sein Idee, er hat diese aber durch seine Umsetzung bestmöglich unterstützt.

Es sei wichtig gewesen, beide aus ihrer Komfortzone zu holen, sagte Burnett in einem Interview. Im Studio ermunterte der Produzent die Musiker um den New Yorker Gitarristen Marc Ribot dann, Vergangenes vergangen sein zu lassen und die Musik so zu spielen wie sie diese zu jetzigen Zeitpunkt empfinden. (Es handelt sich um Cover-Versionen früherer Songs anderer Interpreten).
Die Einspielzeit des Albums war dann mit 10 Tagen recht kurz, ausgefeiltes ‘Sounddesign’ fand zu Gunsten der beiden Stimmen nicht statt.

Da haben wir sie nun, die Bestandteile eines guten Software Projektes.

- Bisherige Lösungen sollen keinen Einfluss auf die Umsetzung des Neuen haben
- Raus aus der Komfortzone: ‘Das haben wir IMMER so gemacht’, hin zum: ‘Was soll denn eigentlich erreicht werden ?’
- Raum für Individualität, Ausdruck, Emotionen und Kreativität schaffen
- Klarer Fokus auf die Funktionalität, hübsch machen ja – aber nicht als Selbstzweck.

Unterschiedliche Disziplinen, gleiche Werte – nicht immer gut zu hören im Chor der Mode-Epigonen.

Wer mal reinhören möchte, kann das hier tun

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