blog.bolne.de

Die Meinung von Joachim Reichel

Der Browser als Betriebssystem ? Ich kann mich gar nicht mehr genau an den
Ursprung dieses Slogans erinnern. Wurde er von einem technischen Journalisten erschaffen oder war es die Marketingabteilung von Google ?

Technisch stimmig ist die Aussage nicht, ein ‘Internetempfänger’ wird das
Betriebssystem niemals ersetzen.

Das wusste bestimmt auch der Schöpfer dieses Fragments. Er hat einfach, mit etwas künstlerischer Freiheit, die Vision dass man alle Programme die ‘man so braucht’ aus dem Internet lädt und im Browser ausführt, zusammengefasst.
Und eine prima Schlagzeile erzeugt ;-)

In dieser Vision reichen eine schnelle Leitung und ein Browser auf einem internetfähigen Gerät, egal ob Smartphone, Laptop oder dicker Tower, aus um all das zu tun was die Menschen mit ihren Computern tun.
Heutzutage unterscheiden sich die Geräte noch deutlich im Leistungsumfang aber das kann / wird sich ändern.
Wer hätte denn vor ein paar Jahren gedacht, dass man einen Song in ordentlicher Qualität auf einem ‘Telefon’
aufnehme kann ?

The 88 – The Making of Love Is The Thing

Wie weit ist dieses Vision noch entfernt – ist sie überhaupt erstrebenswert ?

Die grossen Antreiber dieser Vorstellungen sind die Firmen die damit Geld verdienen wollen.
Da ist z.B. Google, die haben ohnehin die Infrastruktur, die sie für solche Vorstellungen brauchen.
Im Gegensatz zu Microsoft, IBM oder Oracle hat Google noch nie Programme geschaffen oder vertrieben die
auf Rechner installiert werden und die lokalen Resourcen nutzen.
(Ok, Chrome und Picasa sind die Ausnahmen, die die Regel bestätigen.)

Hier werden geschickt Geschäftsinteressen mit Zukunftsvisonen verküpft und diese dann
frequentiert unters Volk gebracht.

Die Schwächen dieser Vorstellung:

- Zuverlässigkeit

Software mit der gearbeitet wird, muss laufen und das immer.
Immer ! Jeder Ausfall kostet Geld, verprellt Kunden.
Mit der Zuverlässigkeit eines Services z.B. von Google hätte ich keine Probleme.
Die haben die nötigen Hardware-Redundanzen, die Spezialisten und die Erfahrung.
Bei anderen, vor allen kleineren Anbietern, muss man das glauben, was im Prospekt steht.
Die Verbindung zwischen ihrem Computer und dem Internet ist aber eindeutig die Archillesferse und das wird auch so bleiben.

- Performance

Die gemieteten Anwendungen teilen sich Ressourcen, CPU Zeit, RAM, Festplattenplatz und Netzwerk.
Wie konstant diese zur Verfügung stehen, weiss man erst nach einer längeren Probefase.

- Client Technik

Jeder Anwendungsentwickler weiss um die Kompromisse, die gemacht werden um mit Html, CSS, Javascript die Bedienoberfläche, das User Interface, für serverseitge Programme zu schreiben. Auch 2009 interpretiert jeder Browser Html anders und es bleibt auch keinem der damit arbeitet verborgen, dass Html für einen anderen Zweck geschaffen wurde, nämlich der Darstellung und Verknüpfung von Textdokumenten.
Einige Hersteller versuchen diesen Mangel mit Plugins zu beseitigen. Dabei handelt es sich grob gesagt um Ablaufumgebungen für Programme die mit anderen Programmiersprachen und Bibliotheken geschrieben sind. Das bekannteste Plugin, der Flash Player von Adobe, hat sich mit seinen Entwicklungswerkzeugen in den letzten Jahren zu einer Platform entwickelt. Microsoft zieht mit all seiner Manpower mit Silberlight nach, welches in kurzer Zeit schon bei Version 3 gelandet ist.

Beide Hersteller wissen um die Einschränkung des ‘im Browser laufens’ und bieten deshalb auch Verfahren an, mit denen eben jenen Browser verlassen werden kann. Diese Desktop Versionen bieten mehr Funktionsumfang, dürfen aber nicht all das, was traditionelle Software auf einem Rechner darf. So ist z.B. der Zugriff auf die Systemebene aus Sicherheitsgründen nicht gestattet. Dafür kann man lokale Datenbanken erstellen und bearbeiten, ein Faktum, welches manch einem entgegenkommen dürfte. Die Sorge um private Inhalte, die im Netz liegen, kann so vermindert werden. Es entstehen Hybrid-Anwendungen, teils webbasiert, teils ‘normales’ Client Programm. Um die erweiterte Funktionalität nutzen zu können müssen auch Programmteile dauerhaft auf dem Rechner installiert werden. Damit schliesst sich der Kreis wieder.

Manch einer fühlt sich an den ‘Browser War’ zwischen Microsoft und Netscape in den 90ern erinnernt und sieht schon ähnliches mit den Plugins passieren.

Wer einmal schauen möchte wie sowas aussieht kann sich Photshop Express ansehen, eine einfache Bildbearbeitung im Browser. Ein Beispiel für eine aus dem Browser ‘ausgebrochene’ Plugin Anwendung ist das Entwurfsprogramm Balsamique Mockups .

Comments

New comment

required, won't be displayed

optional

Don't type anything here unless you're an evil robot:


And especially don't type anything here:

Basic XHTML (including links) is allowed, just don't try anything fishy. Your comment will be auto-formatted unless you use your own <p> tags for formatting. You're also welcome to use Textile.

blog.bolne.de ist ein Zusammenspiel von Thoth, Ramaze, Linux und Joachim Reichel.