In einem meiner letzten Beiträge zitiere ich ja Larry Elison und seine Aussage zur ‘modebewussten’ IT-Welt.
Aktuell ist die Wolke, alias Cloud, der letzte Schrei.
Worum geht es dabei ?
Ganz abstrakt gesehen kauft man Rechenleistung, entweder als Ergänzung oder als Ersatz für die Leistung, die ein oder mehrere Rechner in der Firma oder zu Hause erbringen.
Geliefert wird über das Internet, in Dokumenten oft als Wolke skizziert. Daher der Ausdruck.
Das ist in etwa so als würden Sie, anstelle eines eigenen Wagens, die notwendige Beförderungsleistung in Form von Taxifahrten kaufen.
Ähnlich stellen sich dann auch die Vorteile dar, die Aufwendungen für die Anschaffung und den Betrieb entfallen, Sie zahlen nur für die Fahrt.
Nun wird kein Aussendienstler, der 70.000 km in Jahr fährt, diese mit dem Taxi absolvieren. Ein Leasing, bei dem der Wagen nach drei Jahren zurückgegeben wird, ist aber interessant.
Auch beim Einkauf von Rechenleistung kann der Interessent aus verschiedenen Angeboten wählen.
Man kann drei Arten der Bereitstellung unterscheiden:
- Infrastruktur
- Plattform
- Software
Je spezifischer gewählt wird, umso stärker bindet man sich an das System des Anbieters, desto grösser ist aber auch der ‘Komfortgewinn’.

Da die Analysten, – ja genau die, die die Wirtschaftskrise nicht haben kommen sehen, der Meinung sind die Wolke wäre das grosse Ding derzeit, buhlen alle grossen Anbieter um Kundschaft. Sogar Oracle, bis dato nicht gerade als glühender Verfechter der Wolke aufgefallen, plant angeblich einen eigenen Service.
Ebenso wie Microsoft, was interessant ist, weil beide Firmen sehr viel Geld damit verdienen, die in den Firmen stehende Hardware mit ihrer Sofware zu versorgen. Ich denke es ist wie immer. Die Manager möchten sich nicht zum Vorwurf machen lassen, sie hätten keine Claims abgesteckt als das Gold gefunden wurde.
Mit den technischen Unterschieden der o.g. drei Arten der Bereitstellung und in welche Form welcher Anbieter diese zur Verfügung hält, könnte man Seiten füllen. Ich möchte drei Aspekte, die mir persönlich wichtig erscheinen aufgreifen, auch weil sie erstaunlich selten in den Berichten die ich lese vorkommen.
1) Das Internet
Alle Angebote setzen eine Bedienung über das Internet voraus. Das bedeutet zwischen Ihnen und Ihrem Programm ist das Internet und ganz profan ihre Leitung. Beide können grosse Unterschied in der zur Verfügung stehenden Bandbreite hervorrufen.
Ich bewege mich seit Herbst 1995 im Internet. Die Infrastruktur ist seitdem immer billiger und auch schneller geworden.
Trotzdem ist ein Abrufen der Mails, die auf einem meiner Webmail-Accounts in den USA landen, um 17:30 Uhr viel zähler als um 9 Uhr vormittags. Selbst die enorme Infrastruktur, z.B. von Yahoo, spiegelt die unterschiedliche Belastung wieder. Wäre die Bedienung nur in dem ‘17:30-Tempo’ möglich, würde ich bald Abstand von diesem Angebot nehmen.
Selbst wenn Ihre Firma eine fette Standleitung zu einem grossen Knoten gemietet hat, sind sie diesen Schwankungen ausgesetzt, denn hinter dem Knoten müssen sich Ihre Daten ja in den allgemeinen Verkehr einreihen.
Inwieweit der Ausbau der Netz-Infrastruktur mit dem wachsenden Datenaufkommen mithält ist für die nächsten Jahre noch nicht geklärt.
2) Die Daten
Ihre Daten liegen in der Wolke, das bedeutet verteilt auf viele Festplatten in der Infrastruktur des Anbieters.
Dieser muss fehlerhaftes Material schnell ersetzten und eine 24/7 Betrieb sicherstellen.
Das ist sehr angenehm hat aber ein Geschmäckle. Ob Daten aus der Weltraumforschung oder der Sozialsysteme, überall gab es schon Lecks.
Vielleicht ist das die schwerste Entscheidung bei einem Cloud-Service. Vertraue ich der Sicherheit des Dienstleisters ?
Eines finde ich unabdingbar, ein lokales Backup, zumindest die Möglichkeit dieses jederzeit zu erstellen.
Deshalb ist auch vorher zu überlegen, ob das was z.B. Googles BigTable Database zurückliefert ohne Aufwand in anderer Form zu bearbeiten ist. Ich habe da meine Zweifel und sehe die Gefahr, das sich manch einer ‘auf Gedeih und Verderb’ seinem Wolkendiestleister ausliefert. Besonders schön, wenn der Manager, der dieses Szenario propagiert hat nicht mehr im Hause ist :-) .
3) Kosten
Die Betrachtung zu den Kosten ist schwierig, denn immer wenn z.B. amerikanische Kollegen über Preise schreiben, denke ich, ich bin im falschen Film. Ich erkäre mir das dann immer so, dass die beschriebenen Websites / Webanwendungen einem so heftigen Besucherstrom ausgesetzt sind, das dieser Aufwand gerechtfertigt ist. EngineYard z.B., eine profilierter Rails Hoster, bei dem einige vorzügliche Ruby Spezialisten arbeiten, hat sein einigen Monaten auch ein Cloud Angebot, welches als Einsteiger Modell positioniert ist.
Das ‘Solo’ genannte Produkt bietet gewissen Service, wie z.B. das Resource Monitoring aber glänzende Augen bekomme ich da nicht.
Die kleine Lösung kostet mit mittlere Kalkulation $ 63,— und eine richtig grosse ‘High-Traffic-Site’ liegt bei $ 716,05 pro Monat.
http://www.engineyard.com/cloud-services/solo/pricing
Auf dzone.com, einer Linksammlung der internationalen Entwicklergemeinde, fand ich dieser Tage einen schwärmerischen Bericht, wie man in 15 Minuten den gemieteten Cloud Space bei Amazon einrichtet. Dabei ging es um einen sogenannten LAMP-Server. Diese Konfiguration mit Linux, Apache, MySql, Php (Perl, Ruby) ist sehr gefragt und wird auch von allen Anbieter von virtuellen und dezidierten Servern angeboten.
Der Londoner Kollege schwärmte von den güngstigen Bedingungen, just 25 cent per hour.
Ah ja, 24 * $ 0,25 sind 6 Dollar am Tag. Rechnet man den Monat mit 30 Tagen erreicht man also $ 180.
Was für ein Schnäppchen ;-)
Da schaue ich lieber bei HostEurope, Hetzner oder anderen deutschen Hostern vorbei.
Es gibt bestimmt Szenarien wo sich die Cloud Angebote als ‘vernünftig’ erweisen. Die finden sich aber (noch) nicht in meinem Tätigkeitsbereich.
Comments