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Die Meinung von Joachim Reichel

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Anhaltende Trends ?

Sunday January 04, 2009 @ 11:11 AM (CET)

Als ich in die IT-Welt einstieg, da habe ich doch glatt daran geglaubt, wenn ein namhafter Forschungsinstitut etwas im IT Bereich vorhersagte. Die objektorientiere Programmierung begann sich, wie prophezeit auf breiter Front durchzusetzen und das war für mich genauso nachvollziehbar, wie die (scheinbar) endgültige Abkehr von den sündhaft teuren ‘Big Irons’, den Grossrechnern von IBM, Siemens und Konsorten.

15 Jahre später ist C immer noch eine der meist programmierten Sprachen und die ach so alten Eisen sind noch recht lebendig.
Nicht nur deshalb ist meine Haltung zu diesen Trend-Proklamierern sehr distanziert geworden.
Ich will nicht behaupten, dass ich den Mechanismus der Trend / Hype Kreation schon gänzlich durchschaut hätte – die naive Vorstellung das technische Bessere setzt sich durch, gehört jedoch der Vergangenheit an.
Das gibt es – zu einem gewissen Grad in der Open-Source Welt, im von kommerziellen Interessen geprägten IT-Markt gilt das mit Sicherheit nicht.

Hersteller wollen Produkte auf dem Markt etablieren und in der Trendforschung tätigen Beratungsunternehmen wollen ihre Forschung verkaufen.
Manchmal geht es auch erstmal ohne Geld. Ajax) ist so eine Beispiel. Das XMLHttpRequest Objekt war schon einige Jahre alt, als es plötzlich, unterstützt vom griffigen Namen und einigen wirkliche guten technischen Demos, wie z.B. der Google Live Search, einen kräftigen Trend auslöste.
Auch hier wurde behauptet alles wird von nun an anders.

So werden also in wechselnden Rhythmen neue Säue durchs Dorf getrieben. Alle Medien berichten über die jeweils aktuelle Sau. Unvoreingenommene Betrachter des ‘Dorfplatzes’ könnten glauben: “Mensch, das wird ein Knaller, so viele unterschiedliche Quellen und alle so überzeugt und positiv.”
In der Realität sieht es dann oft anders aus.

Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit einem früheren Kollegen, der, im Rahmen einer Weiterbildung zum ‘Master of Science’, von einem amerikanischen Professor gelernt hatte, das Programmieren von Software würde in Zukunft nur noch durch MDA, die Modell Driven Architecture bestimmt sein. Schlaue Menschen würden intensiv nachdenken, Modelle erstellen, die nicht nur wunderbar visualisiert werden können, sondern auch durch entsprechende Generatoren in erstklassigen fehlerfreien Quellcode und gleich anschliessend in ein lauffähiges Programm übersetzt würden.
Dieses anarchische manuelle Tippen von Quellcode wäre recht bald vorüber.
Mein Einwand, dass Quellcode Generatoren schon eine Weile in verschiedenen Sprachen vorhanden sind, in der Praxis jedoch nur bei Teilaufgaben erfolgreich und einem iterativen Anpassen oft genug im Wege stehen, wurde ebenso beiseite gewischt, wie mein Wunsch sein Prof sollte ihm doch mal ein real existierendes Beispiel nennen.

Ich kann natürlich nicht behaupten, den vielfältigem Bereich der Informationstechnologie komplett zu überblicken aber meines Wissens ist es sehr still um MDA geworden.
Das mag natürlich daran liegen, dass neue Säue die Aufmerksamkeit in Anspruch genommen haben, z.B. das kleine bunte Web 2.0 Schweinchen und die schwergewichtige SOA Sau in deren Grunzen sich bereits das helle Quieken des RIA Frischlings mischt.

Merb und Rails mit vereinter Kraft.

Monday December 29, 2008 @ 06:23 PM (CET)

Am 23.12.2008 veröffentlichten David Heinemeier Hansson und Yehuda Katz zeitgleich, was wohl keiner, der beide Projekte kennt, zu diesem Zeitpunkt für möglich gehalten hätte – Rails und Merb werden eins.
Mit der Version 2 von Merb und 3 von Rails soll die Zusammenführung vollzogen sein.

Die Vereinigung zweier konkurrierender Projekte ist in der OpenSource Welt ein seltenes Ereigniss. Im konkreten Fall kommt hinzu, dass das Merb Team oft genug auf Unzulänglichkeiten im Rails Kern hingewiesen hatte und Merb mit Geschwindigkeitsvorteilen, Thread-Sicherheit und klarerem Quellcode herausgestellt wurde. Die letzten Monate waren von einer Rivalität gekennzeichnet, die mancher als gesund, andere wiederum als die Ruby Web Community schwer belastend angesehen haben.

Umso überaschender kam dann diese Ankündigung !

Die Reaktionen aus dem Rails Lager waren durch die Bank positiv, bei den ‘Merbisten’ gab es auch kritische Stimmen. Ich selbst habe ein ambivalentes Gefühl. Rails wird es guttun – da habe ich gar kein Zweifel – aber die Konkurrenz war auch nicht schlecht. Salopp gesagt haben die Merb Jungs Rails Feuer unterm Hintern gemacht und das hat Rails neuen Schwung gegeben.
Auf der anderen Seite hätte es für mich in 2009 ein schwieriges Abwägen gegeben, wann welches Framework Vorteile gegenüber dem anderen gehabt hätte.

Diese Herausforderung entfällt. Wer mag, kann schon jetzt, anhand von Merb 1.0.x, vieles von dem kennenlernen, was dann im Sommer 09 mit Rails 3 kommen wird.

Ich freue mich auf die Auswahl bei den ORMs, speziell Sequel sagt mir zu und auch ein stärkeres Entkoppeln des JavaScript Subsystems ist nicht nachteilig, es gibt ja einige Alternativen zu Prototype.
Vor allem aber gefällt mir die Möglichkeit eine Anwendung nur mit einem ‘core’ gem zu schreiben, wie es zur Zeit bei Merb 1 möglich ist. Diejenigen, die nichts auswählen wollen, werden ja in jedem Fall über das ‘volle Programm’ mit der full stack Version verfügen, die wohl als default angeboten wird.

Mit Skepsis betrachte ich zwei Dinge.
Zum Einen ist das der (mögliche) Verlust der ‘Merb-Culture’. Sehr angenehmer Umgangston, konkrete Problemlösungen, keine Hahnenkämpfe, klare durchdachte technischen Vorstellungen und das Ernstnehmen und Einbeziehen der Nutzer.
Wird sie in das Rails Projekt einfliessen ? Schön wäre es.

Zum Anderen ist das die angekündigte Rückwärts-Kompatibilität.
Die Vorstellung, dass es grössere Mengen Quellcode in Rails 3 gibt, der nur dazu dienen die Umstellung abzufedern, ‘alten’ Anwendungs-Code lauffähig zu halten und die helper weiter benutzen zu können, ist mir ein Greul.

Wo ist das Problem einen 2.x Zweig bei Rails eine Weile weiter zu pflegen, sowie es zur Zeit mit Merb 1.x geschieht ? Rails 2.x ist doch nicht schlecht, die Projekte können doch noch Jahre fortbestehen. Wenn in einem ‘Legacy’-Projekt Rails 3 genutzt werden sollen, muss halt der Code angepasst werden. Dann ist der Geld- und Zeitaufwand gegenüber den Vorteilen abzuwägen.
Die Beta von Rails 3, optimistisch für die RailsConf09 im Mai (04-07) angekündigt, wird zeigen wie das gelöst wird.
Schaun wir mal …

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