Als ich in die IT-Welt einstieg, da habe ich doch glatt daran geglaubt, wenn ein namhafter Forschungsinstitut etwas im IT Bereich vorhersagte. Die objektorientiere Programmierung begann sich, wie prophezeit auf breiter Front durchzusetzen und das war für mich genauso nachvollziehbar, wie die (scheinbar) endgültige Abkehr von den sündhaft teuren ‘Big Irons’, den Grossrechnern von IBM, Siemens und Konsorten.
15 Jahre später ist C immer noch eine der meist programmierten Sprachen und die ach so alten Eisen sind noch recht lebendig.
Nicht nur deshalb ist meine Haltung zu diesen Trend-Proklamierern sehr distanziert geworden.
Ich will nicht behaupten, dass ich den Mechanismus der Trend / Hype Kreation schon gänzlich durchschaut hätte – die naive Vorstellung das technische Bessere setzt sich durch, gehört jedoch der Vergangenheit an.
Das gibt es – zu einem gewissen Grad in der Open-Source Welt, im von kommerziellen Interessen geprägten IT-Markt gilt das mit Sicherheit nicht.
Hersteller wollen Produkte auf dem Markt etablieren und in der Trendforschung tätigen Beratungsunternehmen wollen ihre Forschung verkaufen.
Manchmal geht es auch erstmal ohne Geld. Ajax) ist so eine Beispiel. Das XMLHttpRequest Objekt war schon einige Jahre alt, als es plötzlich, unterstützt vom griffigen Namen und einigen wirkliche guten technischen Demos, wie z.B. der Google Live Search, einen kräftigen Trend auslöste.
Auch hier wurde behauptet alles wird von nun an anders.
So werden also in wechselnden Rhythmen neue Säue durchs Dorf getrieben. Alle Medien berichten über die jeweils aktuelle Sau. Unvoreingenommene Betrachter des ‘Dorfplatzes’ könnten glauben: “Mensch, das wird ein Knaller, so viele unterschiedliche Quellen und alle so überzeugt und positiv.”
In der Realität sieht es dann oft anders aus.
Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit einem früheren Kollegen, der, im Rahmen einer Weiterbildung zum ‘Master of Science’, von einem amerikanischen Professor gelernt hatte, das Programmieren von Software würde in Zukunft nur noch durch MDA, die Modell Driven Architecture bestimmt sein. Schlaue Menschen würden intensiv nachdenken, Modelle erstellen, die nicht nur wunderbar visualisiert werden können, sondern auch durch entsprechende Generatoren in erstklassigen fehlerfreien Quellcode und gleich anschliessend in ein lauffähiges Programm übersetzt würden.
Dieses anarchische manuelle Tippen von Quellcode wäre recht bald vorüber.
Mein Einwand, dass Quellcode Generatoren schon eine Weile in verschiedenen Sprachen vorhanden sind, in der Praxis jedoch nur bei Teilaufgaben erfolgreich und einem iterativen Anpassen oft genug im Wege stehen, wurde ebenso beiseite gewischt, wie mein Wunsch sein Prof sollte ihm doch mal ein real existierendes Beispiel nennen.
Ich kann natürlich nicht behaupten, den vielfältigem Bereich der Informationstechnologie komplett zu überblicken aber meines Wissens ist es sehr still um MDA geworden.
Das mag natürlich daran liegen, dass neue Säue die Aufmerksamkeit in Anspruch genommen haben, z.B. das kleine bunte Web 2.0 Schweinchen und die schwergewichtige SOA Sau in deren Grunzen sich bereits das helle Quieken des RIA Frischlings mischt.